Im 2. Semester angekommen!

So ihr Lieben, bestimmt haben schon einige gedacht, ich habe das Handtuch geworfen, Ihr hört ja nichts mehr von mir. Das liegt daran, das das 2. Semester begonnen hat und, Überraschung, genau so viel zu arbeiten ist wie im 1. Semester. Nur ganz anderes dieses Mal. Wissenschaftliches Englisch lernen, heißt nun die Herausforderung. Denn die meisten papers in der Ethnologie sind auf englisch geschrieben. Gerne auch mal Texte von 1922. 40 Seiten durchlesen für die nächste Woche, das ist nun die Regel. Und das für jedes Seminar! Dieses Semester habe ich folgende Seminare gebucht, Religions Ethnologie, Wirtschafts Ethnologie, Quantitative Forschung, Historische Ethnologie und aktuelle Populismus Theorie. Das letzt genannte Seminar belege ich im Nebenfach Politik-Wissenschaften, und dieses Seminar macht so richtig Spaß. Offene politische Diskussion, das AFD Parteiprogramm auf populistische Aussagen prüfen, das ist ganz mein Ding. Aber auch auf die Religions Ethnologie lohnt sich der Blick, und es ist spannend den Bereich Animinsmus näher zu betrachten. Dieser beschreibt den Glauben an Naturgeister, und wer wie ich seine Verbundenheit mit der Natur spürt, wird diesem Konzept zugeneigt sein. In Wirtschafts Ethnologie geht es um die Begriffe Waren und Gaben, und welche Auswirkungen diese auf die jeweilige Gesellschaft haben. Gestern las (mehr …)

Ein besonderer Besuch in The Gambia, oder wie ich einen Präsidenten kennen lernen durfte.

Englisch Version

Nach 2 Jahren Wartezeit durfte ich am 14 Februar endlich nach The Gambia zurückkehren. 2 Wochen habe ich mir frei genommen, um die theoretische Ethnologie mal wieder ganz praxisnah zu erleben. Da Politikwissenschaften mein Nebenfach ist, habe ich mich praktischerweise bei dem bekanntesten Anwalt des Landes einquartiert. Somit hatte ich Ethnologie und Politik gleich frei Haus.
Die ersten Tage verbrachte ich damit, mich an meine Umgebung zu gewöhnen. 33 Grad C. hauen mich jedesmal aus den Latschen, genauso wie das Leben um mich herum. So suchte ich mir einen chilligen Platz auf der Dachterrasse meines Gastgebers, genoss die Hühner, Bananen und vielen Menschen um mich herum.

Am darauffolgenden Montag war Independence Day, ein national Feiertag, der mit einem Festakt in Banjul, der Hauptstadt, begangen wird. Mein Gastgeber, Rechtsanwalt Lamin K. Mboge, kennt gefühlt das ganze Land und so war es für ihn ein leichtes, uns Plätze in der Ehrenloge zu organisieren. Von dort aus hatten wir beste Sicht auf das Spektakel und auf die Ansprache des Ministerpräsidenten Adama Barrow. Es wurden die Streitkräfte des Landes präsentiert, die unterschiedlichen Ethnien, Schulen und ihre Schüler und die Sportskanonen des Landes.

Am nächsten Tag (mehr …)

Studieren ü 50, zurück aus den Winterferien-rein in die Klausur Vorbereitung

Ich melde mich zurück aus den Weihnachtsferien, eine Pause, die dringend nötig war. 2 Wochen aus meinem alten Leben, in dem es noch keine Universität gab. 2 Wochen, in denen ich mir viel Abstand gönnte, und die gesammelten Studien Unterlagen einfach unter mein Bett schob. Stattdessen Familien Zeit und Schlittschuhlaufen. In den Weihnachtsferien ereignete sich für eine meiner Kommilitoninnen eine familiäre Katastrophe, das jüngste Kind erkrankte sehr schwer. Unser Semester hat Geld eingesammelt, um der Familie etwas schönes davon zu kaufen. Nicht weil die Familie so dringend etwas schönes braucht, sondern wegen der sozialen Kraft, die dieser Gabe innewohnt. Somit wären wir dann bei den Klausur Vorbereitungen, denn das sind Formulierungen, die müssen sitzen. Was ist ein Warentausch, was ist ein Gabentausch? Warum wird gegeben, warum wird erwidert? Alles Fragen, die sich die Ethnologen weltweit stellen. Dann beobachten sie die Menschen (Feldforschung) und schreiben anschließend eine flotte Monographie (Buch) über die gewonnen Daten und Erkenntnisse.
Zurück zu der sozialen Kraft, die der Gabe innewohnt. Die habe ich bei der Sammlung ganz deutlich gespürt. Unser erstes Semester reduziert sich weiter und die verbleibenden Studenten kommen in einen engeren Kontakt. Das ist ein schöner Prozess, und ich versuche vorsichtig daran teilzuhaben.
Morgen bekommen (mehr …)

Studieren ü. 50, kurz vor den Weihnachtsferien….

Es herrscht die Allgemeine Vorweihnachtliche Eile, auch unter den Studierenden. Denn auf einmal wird die ganze Sache richtig ernst. Ich muss eine wissenschaftliche Hausarbeit schreiben, ein Exposé über einen englischsprachigen Aufsatz, eine Hausarbeit in exemplarische Ethnographie, einen Politik Wissenschaftlichen Online Test und eine Klausur über empirische Sozialforschung was nichts anderes ist als die wissenschaftliche Grundlage der Statistik. Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!
Das alles will bis Mitte Februar erledigt sein!
Die ersten Mitstudenten haben bereits das Handtuch geschmissen. Ich habe mal gegoogelt, wie hoch die Studienabbrecher Quote bei den deutschen Universitäten ist. Laut Statistik (hab nicht nachgeprüft ob die Zahlen reliabel sind) sind es 30%. Ich war echt schockiert. Die Zahl erscheint mir sehr hoch! Ich kenne es aus Aus-und Weiterbildung, das so 2-3 Leute abspringen, aber solche Zahlen???
Augenscheinlich kommen immer weniger Mitstudenten in die Vorlesungen und Tutorien. Wer auf jeden Fall fleißig am Ball bleibt, sind meine älteren Mitstudenten. Wer schon mal eine Ausbildung oder ein Studium gemacht hat, der weiß was auf ihn zukommt, hat sich bereits Lernstrategien angeeignet und schon mal was durchgezogen.
Dennoch fürchte ich die Klausuren welche auf mich zukommen, denn ich glaube ich habe noch nie eine solche Menge an Fachwissen aufnehmen (und wieder (mehr …)

Studium ü 50, die ersten 2 Monate geschafft

Der aufmerksame Leser wird es schon bemerkt haben, die Abstände der Blog Einträge werden länger. Das ist zum Einem dem ständigen Lernen geschuldet, zum Anderen aber dem emotionalen Stress.
Wieso der emotionale Stress?
Wegen der Finanzen, wie so oft als Alleinerziehende. Ich habe ja glücklicherweise ein Stipendium der SBB erhalten, ein Begabtenförderungswerk. Das ist super! Leider zahlt der SBB das Stipendium erst in der Mitte des Quartales aus. Das heißt, das ich bis Ende November ohne Geld dastand. Und das Geld, was nun gekommen ist, muss ja die nächsten 3 Monate reichen, bis zur Mitte des nächsten Quartales. Das heißt wiederum, dass ich die Schulden, die ich seit Anfang Oktober gemacht habe, gar nicht zurückzahlen kann. Der Wohngeldantrag kann erst weiter bearbeitet werden, wenn das Geld des Stipendiums auf dem Konto auftaucht.
Damit ist schon irgendwie klar, das ein Studium für arme Menschen nicht finanzierbar ist. Wer wie ich aus dem Hartz IV Bezug kommt, konnte keine Rücklagen bilden. Dennoch müssen vor Studienbeginn 300 € Studiengebühren bezahlt werden, sonst bekommt man keine Immatrikulationsbescheinigung. Ohne Imma-Bescheinigung bekommt man kein Stipendium ausgezahlt, kein Wohngeld und auch keine Fahrkarte. Dann noch Miete vorauslagen, Lebenshaltungskosten, Stifte, Papier, Bücher, Hefter, Druckerpatronen….
Ganz schweres Gelände, wenn man keine Eltern hat, die (mehr …)

Nach den ersten 2 Wochen an der Uni….

…..habe ich so viele Eindrücke gewonnen, dass es mir schwer fällt diese alle hier wieder zu geben.
Also, erst mal das was oben auf liegt….ich bin ganz schön einsam an der Uni, meine Mitstudenten sind im Schnitt 20-30 Jahre jünger als ich, das scheint eine echte Hürde zu sein. Zu groß die Unterschiede in den Lebenswelten. In vielen Kursen sitzen Kontakt Studenten, die meisten sind in Rente. Als Kontakt-Studentin habe ich vor 2 Jahren auch angefangen und da war ich in beiden Kursen die Jüngste. Das Kücken zu sein hat mir gut gefallen und ich komme von Haus aus ja gut mit Senioren klar. Für mich sind 20 Jahre mehr keine große Hürde….Jedenfalls traf ich letzte Woche auf eine Kontakt-Studierende, die ihren Mann gepflegt hat, der an was erkrankt war? Genau, an Demenz. Komisch, sieht man mir das an?
Nun halte ich Ausschau nach anderen alten Menschen, damit ich auch mal Gesellschaft beim Mittagessen habe.
So nun ein paar Infos zu meinem Hauptfach Ethnologie:

Buch Bissau, Bib Kulturwissenschaften

Zu meiner Überraschung musste ich feststellen, das schon jemand in Guinea-Bissau geforscht hat. Allerdings, so würde ich es heute sagen, nicht wirklich wissenschaftlich.
In Ethnologie geht es zuerst einmal darum, einen neutralen Blick auf die (mehr …)