Nach den ersten 2 Wochen an der Uni….

…..habe ich so viele Eindrücke gewonnen, dass es mir schwer fällt diese alle hier wieder zu geben.
Also, erst mal das was oben auf liegt….ich bin ganz schön einsam an der Uni, meine Mitstudenten sind im Schnitt 20-30 Jahre jünger als ich, das scheint eine echte Hürde zu sein. Zu groß die Unterschiede in den Lebenswelten. In vielen Kursen sitzen Kontakt Studenten, die meisten sind in Rente. Als Kontakt-Studentin habe ich vor 2 Jahren auch angefangen und da war ich in beiden Kursen die Jüngste. Das Kücken zu sein hat mir gut gefallen und ich komme von Haus aus ja gut mit Senioren klar. Für mich sind 20 Jahre mehr keine große Hürde….Jedenfalls traf ich letzte Woche auf eine Kontakt-Studierende, die ihren Mann gepflegt hat, der an was erkrankt war? Genau, an Demenz. Komisch, sieht man mir das an?
Nun halte ich Ausschau nach anderen alten Menschen, damit ich auch mal Gesellschaft beim Mittagessen habe.
So nun ein paar Infos zu meinem Hauptfach Ethnologie:

Buch Bissau, Bib Kulturwissenschaften

Zu meiner Überraschung musste ich feststellen, das schon jemand in Guinea-Bissau geforscht hat. Allerdings, so würde ich es heute sagen, nicht wirklich wissenschaftlich.
In Ethnologie geht es zuerst einmal darum, einen neutralen Blick auf die Welt und ihre Kulturen zu entwickeln, und die eigenen Schubladen zu entrümpeln. Jede Kultur ist gleichwertig und soll von einem neutralen Standpunkt aus betrachtet werden. Das wichtigste Instrument ist die Feldforschung und die begleitende Beobachtung. Alsdann wird die gewonnene Erfahrung verschriftlicht, nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten. All das will gründlich gelernt werden und nun komm ich zu einer langen Aufzählung von „Akademiker-Sprech“:

 

 

postuliert
binär
eurozentrisch
deterministisch
subversiv
Down-shifting
sustainable
critical whitness

ich könnte die Liste unendlich fortsetzen. All diese Begriffe muss ich lernen, um zu verstehen von was die Rede ist. Ist wie ne Fremdsprache, kein Wunder das Wissenschaft so oft nicht verstanden wird. Ich werde mein Bestes tun, das zu ändern.
In einem weiteren Seminar geht es um praktische Ethnologie, die Indianer Stämme des Rio Xingu wollen erforscht werden, und das macht richtig Spaß.
Die gewonnen Erkenntnisse werden in Poster-Form und in einer Hausarbeit sowie einem Referat verschriftlicht, und ich werde mich bemühen hier alles hoch zu laden. Für die Poster Arbeit habe ich mir die Tiere, die dort leben ausgesucht. Das ist cool, denn dort leben Ameisenbär und Puma, 50.000 Fisch-Arten und natürlich Krokodile. Das gibt ein hübsches buntes Poster.
Als zweite Arbeit habe ich mir die Kunst der Indianer ausgesucht, ihre Malereien und Ornamente. Ich habe Tage mir der Recherche verbracht, nun habe ich Material zusammen, aber muss das noch alles lesen. Und jede Menge anderer Texte auch.
Zu diesem Zweck habe ich wieder einen Haufen Zeit in allen möglichen Bib´s verbracht, und ich hoffe, ich habe das System mit der Buch Suche bald kapiert.
Mein Nebenfach ist ja Politikwissenschaften und dort gibt es zu lernen wann die Politik erfunden wurde. Das ging 1500 herum los, als Kolumbus Amerika entdeckte. Damit war klar, das die Erde keine Scheibe ist und das es noch mehr Menschen gibt, und die Leben ganz anders. Durch dieses Wissen veränderte sich die bis dahin herrschende „göttliche Ordnung“. Die Menschen begannen ein Gefühl dafür zu entwickeln, das sie Individuen sind, und  nicht alle gleich. Und das jeder eine eigene Meinung hat, und das diese Meinungen sehr unterschiedlich sein können. Damit es nicht ständig Schlägereien und Bürgerkriege gibt, wurden Dinge wie Parteien, Staat, Grenzen, Militär und Polizei geschaffen. Eigentlich ganz spannend, oder?
Dann habe ich noch was gelernt, in empirische Sozialwissenschaften, und das regt mich so richtig auf! Im Jahre 1964 hat ein gewisser Coleman an amerikanischen Schulen ein Experiment durchgeführt. Er hat die braunen und die weißen Kinder gemeinsam zur Schule geschickt. Bei den braunen, und damit armen Kindern, gab es viele schlechte Schulleistungen, das wurde damals auf die schlechte Ausstattung der Schulen zurückgeführt. Die Kinder wurden in Busse gesteckt und jeweils zu einer schwarzen oder weißen Schule gefahren. Nach einiger Zeit gemeinsamen Schulbesuches wurden „ALLE“ Kinder besser in der Schule, da sich die braunen Schüler an den Leistungsstärkeren weißen Schülern orientierten. Das nennt sich „soziale Ansteckung“.
In unserer Stadt Hamburg war es nicht möglich, eine Schule für alle Kinder zu erschaffen, es scheiterte am Widerstand des weißen Blankenese. Dabei ist seit 1964 bekannt, das „ALLE“ Kinder davon profitieren, wenn es eine Schule gibt. Verstehe nicht, das Wissenschaft die Politik so wenig durchdringt!

Und Richtig, das hätte ich fast vergessen: Ich habe das Stipendium bekommen! Juhuu!