G 20 in Hamburg oder „Das ist nicht mehr meine Stadt!“

G 20 in Hamburg

Als ich heute morgen frühstückte, meldete das Radio Krawalle am Bahnhof Altona und ein brennendes Polizei Auto. Seit gestern werden wir im 10 Minuten Takt von Hubschraubern überflogen, und es ist klar, es ist G 20 in Hamburg. Ich wohne ca. 1, 5 km vom Bahnhof Altona entfernt, und so schwang ich mich auf mein Radel, mir den Wahnsinn von Nahem anzusehen.

Durch G 20 Arbeitslos, Busfahrer in Hamburg

G 20, Überwachungshubschrauber

Als ich meinen Block verließ, traf ich zuerst ein paar arbeitslose Busfahrer.  Die Busse waren wegen dem G 20 Gipfel außer Betrieb gesetzt. Ich radelte weiter Richtung Bahnhof. Die ganze Zeit begleitete mich das fürsorgliche Gebrumm der Überwachungshubschrauber. Ich hatte mir extra was Hübsches angezogen, damit ich auf den Videos und Fotos der Hubschrauber und Polizei auch gut aussehe (ich hatte unlängst einen Medientechniker, der für die Polizei gearbeitet hatte, zu Besuch).

 

G 20, Bahnhof Altona

Am Bahnhof erwartete mich ein Großaufgebot der Polizei  und ungenutzte Absperrgitter..

 

G 20 in Hamburg Altona

von brennenden Polizeiwagen keine Spur…alles halb so wild, dachte ich und radelt weiter Richtung Große Bergstraße, die angrenzende Fußgänger- und Einkaufszone Altonas. Ich hatte noch nicht ganz die Straße überquert, als ich die erste eingeschlagene Schaufensterscheibe sah…

 

 

G 20, eingeschlagene Schieben

G 20 in Hamburg Altona

und dann noch eine und noch eine….…..Spuren von Brandsätzen und Sprengkörpern…..

       ……………..

erschüttert stellte ich mein Fahrrad ab. „Ist ja nicht zu fassen,“ sagte ich zu einem älteren Herren neben mir, „die haben uns die ganze Einkaufsstraße kaputt gehauen. Wer hätte gedacht, das die so weit hoch kommen. Schließlich ist der Gipfel rund 10 km von uns entfernt. Und die angekündigten Demos mindestens 5 km. Was machen die hier?“ Der Herr guckte genau so entsetzt wie ich aus der Wäsche und meinte, das seien wirklich Kriegs ähnliche Zustände. Ein Bild Reporter erzählte mir kurze Zeit später, das der Trupp sich in Blankenese in Bewegung gesetzt habe, und eine Spur der Verwüstung bis zum Rathaus Altona hinterlassen habe. Krieg in der ganzen Stadt.

Ich radelte weiter nach St.Pauli. Dort hatten die Krawalle gestern angefangen. In den Straßen ist es erschreckend ruhig. Es gibt kaum Autoverkehr, was nicht unbedingt an den Straßen Sperren liegt, sondern daran, das die halbe Stadt das Weite gesucht hat. Fast nur Fahrräder auf den Straßen, wenig Fußgänger, es ist alles seeeehr anders…

Max Brauer Allee, Hamburg Altona

Neue Große Bergstr. Hamburg Altona

Kreuzung Schulterblatt, nähe Schanze

Reeperbahn, Hamburg St.Pauli

 

Rote Folra

Seltsam Ruhig fand ich das alles, ich fragte mich, wo die Menschen hin sind, die die Schaufenster in Altona einwarfen. Also fuhr ich weiter zur Roten Flora, in die Sternschanze, das Zentrum des linken Widerstandes. Doch auch diese war seltsam ruhig, nur ein paar Brandspuren erinnerten an die letzte Nacht.
Ich wendete und beschloss, Richtung Messehallen weiterzufahren. Doch am Haus des Sportes war Schluss, die Kreuzung gesperrt von Polizei und deren Fahrzeugen. Ich stellte das Fahrrad ab, um mich um zusehen. Eine kleine Gruppe von Demonstranten hatte die Kreuzung blockiert..…waren das meine gesuchten Steine Werfer? Das erschien mir irgendwie unwahrscheinlich, die Leuten saßen friedlich auf der Straße, eine Samba Band spielte… Ich wandte mich der anderen Straße zu. Dort hatte die Polizei soeben ein Regierungsfahrzeug durch die Straßensperre gelassen, und dieses fuhr nun auf der Straße Richtung Altona… allerdings nur wenige Meter, dann wurde das Auto von einem Fahrradfahrer gestoppt. Dieser stellte sich einfach mit seinem Radel quer vor das Auto, und verhinderte so die Weiterfahrt..

…..und da musste die Polizei ihm mal zeigen was ne Staatsmacht ist…mit Wasserwerfern und Räum Gerät ging es gegen den Radler, der schnell Unterstützung von Barrikadenbauern erhalten hatte. Diese hatten schon mal vorsorglich einen Müllcontainer zwischen sich und der Staatsmacht aufgebaut, und waren bereit zu zündeln…ich stellte fest, das ich zwischen den Fronten fest saß. Kein Weiterkommen möglich. Ich fühlte eine gewisse Panik in mir aufsteigen. Wann immer Panik in mir aufkommt, erinnere ich mich an die Marokkanisch-Mauretanische Grenze, die ich 2016 passiert habe. Das war das Schlimmste was mir je passiert ist, und ich habe es überstanden. Also überstehe ich auch den G 20 Gipfel in Hamburg, und das, was er uns beschert. Ich zog die Kamera raus, und machte weiter.
Die Situation entspannte sich ein wenig, und der Kessel wurde geöffnet. Ich begab mich zügig auf die andere Seite der Kreuzung, um ein Börek und eine Cola zu mir zu nehmen. So viel Aufregung macht hungrig.

Doch auch hier war nicht an Ruhe zu denken. Schließlich saßen da Leute auf der Kreuzung, und da ist verboten. Außerdem ist das Demonstrieren in einer bestimmten Zone in Hamburg verboten, und dazu zählte auch die Kreuzung. Grundrechte gelten nicht auf Kreuzungen.

G 20 Polizei Einsatz

Da die Kreuzung sich danach wieder öffnete, beschloss ich, nach Hause zu Radeln. „Das ist nicht mehr meine Stadt“, sagte ich zum Abschied zu einer Dame, mit der ich zusammen gestanden hatte. Wenn der Gipfel etwas positives hat, dann, dass er die Menschen in meiner Stadt zusammen bringt.

 

G 20 Überwachungshubschrauber

Ihr wisst, schon, unter dem fürsoglichen Gebrumm der Hubschrauber….radelte ich nach Hause zurück, Hamburg Ottensen.

 

 

 

 

 

Und was erwartet mich in meinem Stadtteil? Ein geräumtes und geschlossenes Einkaufszentrum und eine weitere Hundertschaft Polizei. Nichts ist mehr normal in meiner Stadt, und ich werde wieder rausgehen und weiter berichten!

Und eine Bitte ganz zum Schluss an die Polizei: