Mit dem Wohnmobil von Hamburg nach Afrika, es lebe die europäische Pressefreiheit!

 

frühlingandalusien

Der Fotoapparat hängt seit dem Eintritt in Spanien am Nagel. Wir versuchen eine Pause zu machen, und die Eindrücke der letzten 2 Monate zu verarbeiten. Wir stehen wieder unter Kultur-Schock, und müssen uns erst mal wieder eingewöhnen. Es gibt vieles Nachzutragen aus den vergangenen Wochen, denn es gibt Dinge, die ich nicht in Afrika veröffentlichen wollte. Viele Staaten haben Regime, die nicht auf Kritik stehen. Es lebe die europäische Pressefreiheit! Viva!

Ein paar Worte über Korruption
Als erstes möchte ich einige Worte über die Korruption verlieren. Es begann schon in Marokko, wo wir das erste mal von einem Checkpoint nach „Cardaux“ gefragt wurden. Ich verstehe traditionell schlecht französisch, und es dauerte einige Zeit, bis ich kapierte, die wollten Geld. Cardaux heißt wörtlich übersetzt „Geschenk“, am willkommensten sind stets Geld Geschenke. Die Checkpoints gibt es ständig, man muss seine Papiere vorzeigen, erklären wo man her kommt und wo man hin will, und so weiter und so fort. Am Ende kommt die Frage nach dem „Cardaux“. Kommt man dem nicht nach, finden die Polizei Beamten schon etwas, wofür sie einem ein Bußgeld aufbrummen können. Was in Marokko begann, setzte sich über Mauretanien, Senegal, Gambia und Guinea Bissau fort. Die Checkpoints sind nicht nur von der Polizei, sie sind auch vom Zoll und der „Imigration-Service“ und was weiß ich nicht, welche Behörde. Bestimmt sind welche einfach frei erfunden! Manchmal kommen die Checkpoints in 300 Meter Abständen. Und ständig die gleichen Fragen! Das kostet unendlich viele Nerven.

Was macht man also nun mit der „Cardaux“ Frage? Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, je nach Lust und Laune. In Marokko kann man einfach darauf hinweisen, das es verboten ist „interdit“. Oder man kann eine Banane raus geben (Gruß an Chris). Oder man kann sagen, beim nächsten mal. In Mauretanien geht das nicht mehr so einfach. Da muss man anfangen zu handeln, zu betteln, oder wenn man es eilig hat, einfach zahlen. Das gleiche gilt für alle weiteren Länder, die ich aufgezählt habe. Das Schlimmste was mir passierte, war eine dicke Polizistin in Gambia, die ganz klar von mir verlangte: „Give me Money for my breakfeast. I haven´t eaten.“ Ich verweigerte die Herausgabe von Geld, und sie wollte mich nicht weiterfahren lassen. Ich blieb hart, und irgendwann gab sie auf. Aber nicht immer hat man Zeit und Nerv für das. Ständig sind wir auch nach Straßengebühren gefragt worden, und eines Nachts in Guinea Bissau, reichte es mir mal wieder, und ich verweigerte die Zahlung. „You have to talk to my Boss“, sagte der Polizist zu mir, und ich sagte „gut“, und stiegt aus dem Wagen aus. Damit hatte er nicht gerechnet, und er hat mich dann doch fahren lassen. Ein anderes Mal geriet mein Partner in eine Horde voll trunkener Checkpointler, ebenfalls  Guinea Bissau. Ohne Geld war keine Weiterfahrt möglich. Ich habe von Leuten gehört, die 24 Stunden im Knast gebrummt haben, weil sie kein Geld zahlen wollten. Deutschen Leuten!
Die Gefahr scheint mir mehr von der Staatsmacht auszugehen, als von der armen Bevölkerung, der man so viel Armuts Kriminalität nachsagt. Mir ist nichts geklaut worden, und ich bin auch nicht bedroht worden. Nur von den Checkpointlern……
Auch bei dem Grenzübertritten musste ich unendlich viel Geld zahlen für Stempel, Visa, Gebühren, und weiß der Kuckuck was sonst noch. Bei vielen konnte man sehen, das das Geld gleich in die Hosentasche wanderte.

„Warum machen die Menschen das?“ fragte ich meinen Partner, der aus Afrika kommt. „Weil sie selbst kein Geld haben, weil sie als Bezahlung einen Sack Reis erhalten, weil sich in Afrika jeder selbst der Nächste ist.“
Da hatte ich meine Antwort, gefallen hat sie mir nicht. Und so kann ich mir inzwischen lebhaft vorstellen, wo die Gelder der Hilfsprojekte versickern. Man muss jeden Beamten schmieren, sonst läuft nichts.
Soviel für heute,

Astrid