Ein besonderer Besuch in The Gambia, oder wie ich einen Präsidenten kennen lernen durfte.

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Nach 2 Jahren Wartezeit durfte ich am 14 Februar endlich nach The Gambia zurückkehren. 2 Wochen habe ich mir frei genommen, um die theoretische Ethnologie mal wieder ganz praxisnah zu erleben. Da Politikwissenschaften mein Nebenfach ist, habe ich mich praktischerweise bei dem bekanntesten Anwalt des Landes einquartiert. Somit hatte ich Ethnologie und Politik gleich frei Haus.
Die ersten Tage verbrachte ich damit, mich an meine Umgebung zu gewöhnen. 33 Grad C. hauen mich jedesmal aus den Latschen, genauso wie das Leben um mich herum. So suchte ich mir einen chilligen Platz auf der Dachterrasse meines Gastgebers, genoss die Hühner, Bananen und vielen Menschen um mich herum.

Am darauffolgenden Montag war Independence Day, ein national Feiertag, der mit einem Festakt in Banjul, der Hauptstadt, begangen wird. Mein Gastgeber, Rechtsanwalt Lamin K. Mboge, kennt gefühlt das ganze Land und so war es für ihn ein leichtes, uns Plätze in der Ehrenloge zu organisieren. Von dort aus hatten wir beste Sicht auf das Spektakel und auf die Ansprache des Ministerpräsidenten Adama Barrow. Es wurden die Streitkräfte des Landes präsentiert, die unterschiedlichen Ethnien, Schulen und ihre Schüler und die Sportskanonen des Landes.

Am nächsten Tag verlangte es mich nach Strand. Wir landeten in Gunjur, einem Ort, jenseits des Ballermann Tourismus in Serrakunda. Es gibt noch ganz viel Natur zu sehen rund um Gunjur, einen kleinen Ort mit vielen unbefestigten Straßen und einer monumentalen Moschee. Es scharen sich viele kleine Lodges rund um Gunjur, ich habe einige besucht und sie sind alle sehr schön. Der Wind vom Ozean sorgt für eine immer kühle Brise, die Strände sind menschenleer und man kann lange Spaziergänge unternehmen. Allerdings nicht alleine, denn dann kommt sofort ein Juice- oder Coffee-man und lädt einen in seine Bar ein. Deshalb bin ich von Sadibou begleitet worden, der in Gunjur lebt, und die Gegend wie seine Westentasche kennt. Wer also einen Platz und einen Guide in Gunjur braucht, der möge sich bei mir melden. Am Ende meiner Reise bin ich nochmals nach Gunjur zurück gekehrt, so gut hat es mir dort gefallen.

In den darauf folgenden Tagen tauchte ich tief in das Rechtssystem von The Gambia ein. Angelehnt an das Britische Rechtssystem, gab mir das Ganze einige Rätsel auf. Ich begleitete Lamin Mboge zu seiner Arbeit und er nahm mich mit in die Gerichte. Es ist in keiner Weise mit einem deutschen Gericht vergleichbar, außer, das dort ebenfalls Richter und Anwälte anwesend sind. Lamin hat eine neue Rechtsanwaltskammer in The Gambia gegründet, die http://the-gambia-law-society.com.
Der Grund für die Neugründung ist das Bedürfnis, den Justiz Apparat zu erneuern, ihm zur Unabhängigkeit und neuer Integrität zu verhelfen. Die bisher bestehende Kammer ist ein Produkt des diktatorischen Regimes, welches das Land 22 Jahre beherrschte. Seit 2016 gibt es einen demokratisch gewählten Präsidenten, und die Wandlung des Staates in eine Demokratie macht auch vor der Justiz nicht halt.
Ich besuchte das Meeting der Rebellen-Anwaltskammer, war begeistert und versprach meine Unterstützung in Form einer web-page und zugehörige Fotografien. Die neue Kammer wollte ihre Ziele dem neuen Präsidenten vorstellen, und so kam es, das ich als PR Managerin der Gambia-Law-Society am Sonntag zu dem Regierungspräsidenten Mr. Adama Barrow eingeladen wurde.

Ich gebe zu, dass war schon was Besonderes. Einen echten Staats-Präsidenten hatte ich bis dahin auch noch nicht getroffen. Wir liefen mit einer Abordnung der neuen Kammer im State House in Banjul auf, durchliefen mindestens 5 Sicherheitschecks, bevor wir in den eigentlichen Palast durften. Die Checkpoint sackten meine Kamera und mein Handy sofort ein, und ich sah meine schöne PR schon den Bach runter sausen. Nachdem uns in Gold umrandeten Sofas Soft Driks serviert worden waren, durften wir rein zu Mr. Adama Barrow. Der Präsident hat einen unglaublich gemütlichen Sessel, einen riesigen Schreibtisch und ein Flat Screen TV, auf dem ein Mancherster United Spiel lief. Nachdem Lamin die neue Law-Society vorgestellt hatte, sprach der Präsident. Er erzählte, das er in Berlin und Karlsruhe gelebt habe, und dort festgestellt habe, das Deutschland nicht das Ende seiner Reise ist. Er wollte das know how, welches er in Europa erworben hat, seinem Land zur Verfügung stellen. Im weiteren Verlauf erzählte er, dass eine der größten Schwierigkeiten im mind set der Bürger liege. Wenn er einen Termin um 10:00 Uhr ansetze, dann kämen die Leute frühestens um 12:00. Da hat der Präsident recht, und ich muss sagen, der Mann war mir wirklich sympathisch.
Zu meiner Überraschung bekam ich 2 Minuten Redezeit, in denen ich den Präsidenten bat, ein Foto von ihm und der neuen Law-Society zu machen zu dürfen. Er willigte sofort ein, ein Angestellter brachte meine Kamera und so entstanden die nachfolgenden Bilder.

Im Anschluss begaben wir uns auf einen Road Trip in die upper region von Gambia. Das Land besteht hauptsächlich aus einem Fluss, und in dem Fluss gibt es unzählige kleine Inseln. Ich liebe Road trips, und ich hätte mit dem BMW X 5 gut und gerne bis nach Marokko durchfahren können. In Basse nahm ich eine Bootstour und bestaunte die heimische Vogelwelt, welche auch Ornithologen und ihre Studenten anlockt. Ich bekam wunderbare Sonnen Auf-und Untergänge präsentiert, Affenbrotbäume und Palmen.

Auf der Rückreise überquerten wir eine Insel, von welcher aus früher Sklaven verkauft wurden. Die Sklaven Häuser sind heute ein Museum und ich habe es mir angeschaut. Es ist einfach total gruselig. Menschen können dort nicht aufrecht stehen, es gab keine Toilette, eine Wasserstelle für alle, Essen wurde von oben von den Wärtern hineingeworfen. Die Ketten sind unglaublich schwer, es ist mir ein Rätsel, wie Menschen sowas überleben können.

Nach diesen aufregenden Tagen verabschiedete ich mich an den Strand von Gunjur und an die schöne Lodge Stella, welche in Karton gelegen ist, unweit von Gunjur. Da kann man faul auf dem Bambus Bett liegen, für 1 Euro Cola trinken und den Fischern hinterher winken, die mir ihren schönen bunten Booten vorbei ziehen. Für 8 Euro ließ ich mir ein Kleid schneidern und für 10 Euro bekam ich eine 1 A Rasta Frisur. Mit der flog ich am 28. Februar nach Hamburg. Das Ankommen in Deutschland fällt mir wie immer schwer, und ich hoffe sehr, dass ich bald zurück bin.

Englisch Version

After 2 years of waiting on February 14, finally return to The Gambia. I took two weeks off to experience theoretical anthropology in a very practical way. As political science is my secondary subject, I have practically quartered myself with the most famous lawyer in the country. So I had ethnology and politics right at home.
The first days I spent getting used to my surroundings. 33 degrees C. Every time I hit the pines, just like the life around me. I have a chilled place on the roof terrace of my host, enjoyed the chickens, bananas and many people around me.
The following Monday was Independence Day, a national holiday that was celebrated with a ceremony in Banjul, the capital. My host, Attorney Lamin K. Mboge, knows the whole country, so it was easy for him to organize us seats in the honorary box. From there we had a perfect view of the spectacle and the speech of Prime Minister Adama Barrow. It presented the armed forces of the country, the different ethnic groups, schools and their students and the sports guns of the coumunity

The next day, it required me to go to the beach. We landed in Gunjur, a place beyond the Ballermann tourism in Serrakunda. There is still a lot of nature to see around Gunjur, a small town with many unpaved roads and a monumental mosque. There are many small lodges around Gunjur, I have visited some and they are all very beautiful. The wind from the ocean makes for an always cool breeze, the beaches are deserted and you can go for long walks. But not alone, because then comes immediately a Juice- or Coffee-man and invites you to his bar. That’s why I was accompanied by Sadibou, who lives in Gunjur, and knows the area like the back of his hand. So if you need a place and a guide in Gunjur, please let me know. At the end of my trip, I returned to Gunjur again, I liked it so much.
In the following days, I delved deeply into the legal system of The Gambia. Based on the British legal system, the whole thing gave me some puzzles. I accompanied Lamin Mboge to work and he took me to the courts. It is in no way comparable to a German court, except that there are also judges and lawyers present. Lamin has founded a new Bar Association in The Gambia, http://the-gambia-law-society.com.
The reason for the re-foundation is the need to renew the justice apparatus, to help it to independence and new integrity. The existing chamber is a product of the dictatorial regime, which ruled the country for 22 years. Since 2016 there is a democratically elected president, and the transformation of the state into a democracy does not stop at the judiciary.
I attended the meeting of the Rebel Bar Association, was enthusiastic and promised my support in the form of a web page and related photographs. The new chamber wanted to present its goals to the new president, and so it came about that I was invited as PR manager of the Gambia Law Society on Sunday to the district president Mr. Adama Barrow.

I admit that was something special. I had never met a real president of the state until then. We went to the state house in Banjul with a delegation of the new chamber, went through at least 5 security checks, before we were allowed into the actual palace. The checkpoint slumped my camera and my phone immediately, and I saw my beautiful PR already rushing down the drain. After we had been served in soft gold-framed sofas soft driks, we were allowed to go into Mr. Adama Barrow´s office. The president has an incredibly comfy armchair, a huge desk, and a flat screen TV running a Mancherster United game. After Lamin introduced the new Law Society, the President spoke. He said that he lived in Berlin and Karlsruhe, and there stated that Germany is not the end of his journey. He wanted to make the know-how he had acquired in Europe available to his country. Later, he told me that one of the biggest difficulties lies in the mindset of the citizens. If he sets an appointment at 10:00 clock, then people would come at noon at 12:00. The President is right, and I have to say the man was really nice to me. To my surprise, I got two minutes of speaking time asking the President to take a photo of him and the new Law Society. He immediately agreed, an employee brought my camera and so the following pictures were created.

Afterwards we went on a road trip to the upper region of Gambia. The country consists mainly of a river, and there are countless small islands in the river. I love road trips, and with the BMW X5 I would have been happy to drive through to Morocco. In Basse I took a boat tour and marveled at the local birdlife, which also attracts ornithologists and their students. I got wonderful sunrises and sunsets presented, baobab trees and palm trees.

On the return trip we crossed an island from which slaves were sold earlier. The slave houses are now a museum and I have looked at it. It’s just really scary. People can not stand up there, there was no toilet, a water hole for all, food was thrown in from above by the guards. The chains are incredibly heavy, it’s a mystery to me how people can survive something like that.
After these exciting days, I said goodbye and went to Gunjur Beach and the beautiful Stella Lodge, which is located not far from Gunjur. You can lazily lie on the bamboo bed, drink Coke for 1 Euro and wave to the fishermen who are passing by their beautiful colorful boats. For 8 euros I had a dress tailored and for 10 euros I got a 1 A Rasta hairstyle. I flew to Hamburg on February 28th. As always, I find it difficult to arrive in Germany, and I hope very much, that I will be back soon.