Mit dem Wohnmobil von Hamburg nach West Afrika, durch Marokko und Mauretanien nach Senegal

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Die letzte Station in Marokko
eute melde ich mich aus dem Senegal, nachdem wir erfolgreich zwei Grenzen überquert haben. Das mit dem Grenzen überqueren ist für Europäer eine ungewohnte Disziplin, doch dazu später mehr.
Wir fuhren von Laayoune aus los, Richtung Dakhla, der letzten großen Stadt in der Wüste Marokkos.
wüstenbewohnermarokko Rechter Hand sieht man immer wieder Behausungen von Fischern, die meist aus nichts anderem Bestehen als Pappe und Plastik Plane. Viele dieser Hütten werden aber auch von Soldaten bewohnt, denn es gibt einen Menge Militär in der Wüste. Die Landschaft verändert sich immer wieder, mal grau, mal braun, mal sehr steinig, dann wieder sandig. Und immer unendlich weit. Die Straße geht meist schnur geradeaus, so etwa: immergeradeaus

Und ob ihr es glaubt oder nicht, die Hamburger Regenwolken folgen uns weiterhin.

hamburgerregenwolkenüberwüste

Tödliche Wüste

Es hat viel geregnet in der Wüste und der Sand ist sehr tief. Da muss man gut aufpassen das man nicht steckenbleibt. Die Autobahn ist passe, es gibt nur noch die Nationalstraße, und die ist doch eher eine Buckelpiste mit Schlaglöchern von unterschiedlicher Größe und Qualität. Das die Wüste immer noch überaus tödlich ist, bemerken wir bei unseren Pausen. Immer wieder sehen wir Knochen und Gerippe an den Straßenrändern. tödlichewüste

Und blühende Wüste

Durch den vielen Regen gibt es aber ein ganz wunderbares Phänomen: Die Wüste blüht. diewüstwblühtgroß   diewüsteblühtklein

Eine Freude für die Augen, und auch für das Herz. Nach 2 Tagen erreichten wir endlich Dakhlar. Dort ist ein Paradies für Kite Surfer, und der Ort hat sich auf die Kundschaft eingestellt. Gleich am Ortseingang gibt es eine Lagune mit einem Stellplatz für Wohnmobile, welcher kostenlos ist. Dort verbrachten wir eine Nacht, und am nächsten Tag machten wir uns auf die Suche nach einem Schweißer. Der Auspuff des L 200 hatte ordentlich Husten, und hat nach vielen tausend Kilometern seinen Rost rausgehustet. Die Folge war ein Loch, und eine gerissene Aufhängung. Nach einiger Sucherei fanden wir einen. Auspuff schweißen in Marokko geht so: Auto am Straßenrand parken, Schweißer schmeißt Pappe drunter, setzt sich Sonnenbrille!!!!auf und schweißt fröhlich los. 20 Minuten Arbeit, fertig!
Fertig waren wir nach der Tour durch die Wüste auch, und sehnten uns nach einer heißen Dusche. Die fanden wir in einem Hotel in der Innenstadt, und am Abend gab es einen Basar mit allem Drum und Dran wie z. B. heiße Schnecken aus der fahrenden Pfanne und süßes Gebäck in Karren, deren Scheiben von Zucker verklebt waren. Leider konnte ich keine Fotos machen, denn das mögen die Menschen dort nicht. Hat man eine Kamera dabei, wird man argwöhnisch betrachtet. Einen Schnappschuss aus dem Fenster

Dakhla, die letzte Station in Marokko

des Hotels habe ich aber für euch: Dakhla

Danach ging es weiter Richtung Mauretanische Grenze. Das Verlassen von Marokko war ein Klacks, aber dann kam es ganz dicke. Nach Marokko fängt ein Stück Niemandsland an, welches über und über mit

Die Mauretanische Grenze

Autowracks bedeckt ist. niemandslandautowracks

Es gibt keine Straße, nicht mal eine Piste, nur Sand und riesige Felsbrocken. Ich fuhr mich im null Komma nichts in einem Sandloch fest, und konnte mich nur unter Hilfe des 4 Rad Antriebes und des Rückwärtsganges retten. In diesem Elend saß unter einem Autowrack eine nackte Frau. Sie starrte apathisch in den Himmel, die Hand zu einer unbestimmten Geste ausgestreckt. Ein furchtbares Bild, was mir bis heute folgt. Als wir uns bis zur Mauretanischen Grenze durchgekämpft hatten, erwarteten uns schwer bewaffnete Soldaten. Sie zerrten uns aus dem Auto, befahlen mitzukommen, zerrten  uns in das  nächste Gebäude, verlangten 150 Euro für ein ein-monatiges  Visa und zu guter Letzt schrie mich ein Zöllner an, ich solle ihm die Auto Papiere geben. Die hatte aber schon ein anderer Grenzbeamter, und ich konnte es ihm nicht verständlich machen. Wir wurden behandelt wie Schwerverbrecher, und zum Schluss war ich in Tränen aufgelöst. Noch NIE bin ich so an einer Grenze behandelt worden, und ich kann nur jedem ABRATEN, Mauretanien mit dem Auto zu besuchen. In Mauretanien bläst ein ewiger Wind, und wir standen nach Grenzübertritt mitten in einem Sandsturm. Kein Baum, kein Strauch hält den Wind auf, und alle Grenzer sehen aus wie grüne Ninjas. Sie sind nach Beduinen art mit Kopftuch vermummt und tragen Sonnenbrillen. Das weckt im Europäer kein Vertrauen, denn man kann die Mimik nicht sehen, und hat keine Chance, sein Gegenüber einzuschätzen.

Mauretanien, leben im Sand

Das erst Dorf nach der Grenze steht ebenfalls mitten im Sandsturm, und ich fragte mich die ganze Zeit, wovon die Menschen dort leben. mauretanienerstes dorf

Kurz nach der Grenz kippten wir todmüde und fertig in unserer Wohnkabine um. Am nächsten Tag fuhren wir weiter und trafen auf eine Menge Kamele und Beduinen. Beduineundkamel

Alle 20 km kam ein neuer Kontrollposten und neue grüne Ninjas, die jedes mal unsere Pässe kontrollierten, und unsere Reise quälend langsam machten. Obwohl es nur ca. 500 km sind, die man fahren muss, um Mauretanien zu durchqueren, benötigten wir 14 Stunden. Wir nahmen eine kurz vor der Senegalesischen Grenze eine Schotter Piste, um an ein kleinere Grenze zu gelangen.

Naturschutzgebiet, Mauretanisch – Senegalesische Grenze, Diamma

Völlig unerwartet landeten wir dabei in einem wunderschönen Naturschutzgebiet, was mich ein wenig mit Mauretanien versöhnte. Dort leben Pelikane in großer Zahl und ein Haufen glücklicher Wildschweine.  Pelikane
Da die Grenze zum Senegal um 19:00 Uhr schließt, mussten wir in dem Naturschutzgebiet übernachten. Dort gibt es eine schöne Lodge, in der man gut schläft und sich von ungewöhnlichen Tierstimmen in den Schlaf singen lässt.
Naturschutzlodge

Am nächsten Morgen machten wir uns auf zur Senegalesischen Grenze. Dort teilte man uns mit, das Autos, welche 10 Jahre und älter sind, nur unter bestimmten Bedingungen einreisen dürfen. Die da wären: 200 Euro cash, und eine vorgefertigte Route, welche man nicht verlassen darf. Außerdem eine extra Autoversicherung für das Land. Wir warteten rund 5 Stündchen auf die notwendigen  Papiere, und erwogen zwischendurch ernsthaft, die Reise abzubrechen. Haben wir dann aber doch nicht. Ich wünsche allen eine gute Nacht, und begebe mich nun zu wohlverdienten Ruhe! Viele Grüße aus St.Louis, Senegal!