Das 2. Semester ist geschafft!

Nun ist es vollbracht, das 2. Semester, und endlich findet sich Zeit zum Blog schreiben. Die letzten Wochen waren geprägt von Klausur Vorbereitungen und Dauer-Lernen. Wenn ich etwas nicht mag, dann ist es auswendig lernen. Ich finde es total unsinnig, denn es ist das Gegenteil von begreifen. Ich persönlich verstehe die Dinge lieber, und gebe sie dann in meinen eigenen Worten wieder. Ich habe den Eindruck, dass die Universität sehr verschult ist, und das Auswendig lernen fördert. Ebenso herrscht ein großer Notendruck, denn will man/frau den Master machen, muss eine gute Note her. Auch ich selbst habe einen Moment gebraucht, bis ich es wieder raus hatte, dass Noten im Leben keine wichtige Rolle spielen. Dennoch machen Noten (in Schule, Ausbildung und Universität) etwas mit dem Selbstwertgefühl, und sie unterstreichen die Hierarchien und Abhängigkeit.

Ein kurzen Ausflug zu den Lerninhalten den Semesters.
Religionsethnologie: In allen Religionen gibt es Rituale, Symbole und Mythen. Religionen sind auch kleine Gemeinschaften, diese müssen auch kein Buch haben. Religionen an und für sich ist schon eine wertende Beschreibung. Warum gibt es Religionen? Da streiten sich die Gelehrten und es gibt die unterschiedlichsten Erklärungsansätze. Eins scheint mir auch hier universell: der Wunsch zu erklären wo wir herkommen und wo wir nach dem Tod hingehen, sowie eine Erklärung, warum es „Übel“ gibt.
Wirtschaftsethnologie: Es gibt so etwas wie eine „westernisation“ der Welt, eine Welt in der sich das kapitalistische Wirtschaftsmodell immer weiter ausbreitet. Auch hier gibt es unterschiedliche Wirtschaftsformen zu erkunden, und die Auswirkungen der Globalisierung auf die Kultur der Menschen.
Geschichte der Ethnologie: Angefangen in den Frühstadien der Kolonisierung, hat sich das Fach immer weiter ausgebreitet. Der Erfinder der Modernen Ethnologie ist Bronislav Malinowski, Goodfather of Feldforschung und dem Nativs point of view, der bis heute gültige Maßstab beim erkunden einer anderen Kultur. Auch hier eine Vielzahl von unterschiedlichen Theorien und Theoretiker*innen.
Quantitative Methoden: Wie führe ich eine Forschung durch? Wie erstelle ich einen validen Fragebogen? Wie werte ich diesen aus? Diese Fragen sollen durch eine praktische Forschung geklärt werden, und unsere Forschungsgruppe entschied sich für das Thema Festival Kleidung. Gibt es einen Unterschied zwischen Alltags- und Festival Kleidung? war unsere Forschungsfrage. Befragt wurden Besucher*innen des Fusion Festivals. Darüber gilt es eine Hausarbeit zu schreiben, die ich später hier hochladen werde.
Populismus als Theorie und aktuelles Phänomen, Politikwissenschaften: Ein echt spannendes Seminar, welches an Aktualität kaum zu überbieten ist. Typisch für Populisten von Links und Rechts ist die Unterscheidung in die bösen Eliten und das unterdrückte Volk, die Rückkehr zum Heartland und eine rückwärts gewandte Utopie. Viele unterschiedliche Theorien, woher der Populismus kommt, und es ist auch zu unterscheiden, aus welchem Land und ob von Links oder Rechts. Auch hier gibt es eine Hausarbeit zu schreiben, die ich später hochladen werde.

Wichtigste Erkenntnis des Semesters: Der Menschliche Körper ist ein kultureller Körper. Alles was wir tun, essen, kaufen, sprechen etc. ist von der uns umgebenden Kultur geprägt. Das wird jeder verstehen, der schon einmal im Ausland war, und sich über das einheimische Essen gewundert hat. Vielleicht nicht nur gewundert, sondern sogar geekelt. Ist halt alles an sozialisiert, was uns lecker schmeckt, und was nicht. Das gleiche gilt für´s wirtschaften, die Religion, die öffentlichen Symbole und Rituale. Der Mensch ist halt ein soziales Tier, und die Religion trägt maßgeblich zur Kultur bei.

Noch ein paar Worte zum Sozialen: Es herrscht weiter reger Student*innen Schwund, viele Kommilitonen hören nun auf, wechseln den Studiengang oder die Stadt. Ich bin mal gespannt, mit wie vielen wir in das 3. Semester einziehen. Von den Anfangs 50 sind vielleicht noch 25 über. Oder auch weniger. Ich fühle mich recht wohl in meiner Gruppe, und durch Gruppenarbeiten und Lerngruppen komme ich meinen viel jüngeren Kollegen immer näher. Das gefällt mir gut, und ich beginne mich zu verjüngen. Ich habe neue, coole Wörter gelernt und lerne die Kultur der jungen Menschen kennen. Meine Festival Befragung führte dazu, dass ich mir nun selbst ein Festival Ticket gekauft habe, um mir ein eigenes Bild zu machen. Mit 52 das erste Mal auf einem Festival, sowas kommt vom Studieren.

Nun ist es aber erst mal Zeit für Urlaub. Dann geht es an die Hausarbeiten. Ja, und im Anschluss werde ich wohl einen Monat arbeiten gehen, denn da ist es bei mir wie bei allen Studenten, das Geld ist knapp.
Ich wünsche euch einen schönen Sommer!